Kurzporträt: Eröffnung: 1990 Träger: Odenwälder Freilandmuseum e.V. Museumsgelände: 15 Hektar Einzugsgebiet: Badischer und Bayerischer Odenwald, Bauland, Unteres Taubertal, Unterer Neckar Besonderheiten u.a. : Grünkerndarre (Darstellung der Grünkernproduktion in der Region), vorindustrielle Ziegelhütte, originale Postagentur von 1920
Im Walldürner Ortsteil Gottersdorf, nahe der bayerischen Landesgrenze, liegt das Odenwälder Freilandmuseum als nördlichstes Freilandmuseum Baden-Württembergs. "Badisch Sibirien" nannte man den Odenwaldteil des Großherzogtums Baden früher; bezogen war dies auf die Abgeschiedenheit der Gegend, das rauhe Klima und die durch karge Böden bedingten bescheidenen Lebensgrundlagen der damaligen ländlichen Bevölkerung. Hierher wurden Beamte strafversetzt. In der zweiten Hälfte des 20.Jh. haben sich die Zeiten in vieler Hinsicht geändert und heute schätzt der Ruhe suchende Urlauber die herrliche Landschaft und die Randlage abseits der großen Verkehrsströme und genießt die Museumsanlage am ehemaligen Fischteich des Klosters Amorbach.
Die versetzten historischen Gebäude ermöglichen tiefe Einblicke in die meist schlichte, aber auch sehr fesselnde Vergangenheit der früheren ländlichen Lebens- und Arbeitswelt. Die Bandbreite der 16 bereits fertiggestellten Häuser der noch nicht vollendeten Anlage reicht schon jetzt vom bescheidenen Taglöhnerhäuschen bis zum stattlichen Großbauernhof, von der dörflichen Postagentur bis zur Landschusterei, von der Grünkerndarre bis zur Ziegelhütte, wobei ein Zeitraum vom 17. bis 20.Jh. erfasst ist.
In den originalgetreu versetzten Gebäuden trifft man stets auf viele Zeugnisse aus der Zeit der Bewohnerinnen und Bewohner. Man erfährt von ihren Lebensbedingungen und Schicksalen. Originale Einrichtungen, liebevolle Ausstattungsdetails, historische Dokumente und Fotos, speziell zusammengetragen und erforscht, erlauben die Annäherung an Zeiten, deren Gesetzmäßigkeiten und Gewohnheiten einmal sehr lange Gültigkeit hatten, uns heute aber in erstaunlich kurzer Zeit schon weit entrückt sind.
Das Odenwälder Freilandmuseum in Walldürn-Gottersdorf hat auch einige ganz besondere "Highlights" zu bieten: Hier wären z.B. zu nennen eindrucksvolle freigelegte religiöse Wandmalereien in einem Bauernhof, die in keinem anderen Freilandmuseum befindlichen Holzrauchdarren zur Herstellung des Grünkerns oder die Ziegelhütte von 1788, das älteste in einem deutschen Freilandmuseum existierende vorindustrielle Exemplar, das gleichzeitig das Wohnhaus der Zieglerfamilie einschließt. |