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Presseinformation 13. Juni 2005

Jahresthema Bauerngarten:
Bunter Reigen vom Erdbeerspinat bis zum Gartenzwerg

Idylle mit Buchs: In den Freilichtmuseen grünt und blüht es in diesem Jahr besonders

Erstmals haben sich die "Sieben im Süden" - wie sich die Freilichtmuseen in Baden-Württemberg nennen - ein gemeinsames Jahresthema gegeben. Es ist der ebenso nützliche wie schöne Bauerngarten, der in diesem Jahr besonders im Blickfeld der Museen liegt.

Was wäre ein Bauernhof ohne Garten? Eine Bäuerin ohne ihre Pflanzen? Unvollständig und langweilig. Das wissen auch die Freilichtmuseen und haben vor ihren alten Höfen viele verschiedene Bauerngärten angelegt. Wer ihnen die verdiente Aufmerksamkeit widmet, wird überrascht sein ob der Vielfalt, die da präsentiert wird. Das ist zum Beispiel die historische Gartenentwicklung, die besonders gut im Freilichtmuseum Beuren nachvollzogen werden kann. Von historischen Bauerngärten nach Vorbildern aus den Jahren 1700, 1800 und 1925 reicht die Spanne bis zu einem Garten, den eine Flüchtlingsfamilie um 1957 angelegt haben könnte. Dabei sieht man auch genau, wann welche Pflanzen in die Gärten eingezogen sind. Gehört doch die heute allgegenwärtige Tomate erst seit kurzem zum bunten Reigen der Gartenpflanzen. In den alten Gärten hingegen wachsen Pflanzen, die früher häufig waren, heute aber fast vergessen sind. Erdbeerspinat, zum Beispiel, der in Beuren wächst, oder Melde, die in Gutach gezogen wird.

Ein weiterer Blickwinkel, unter dem man Bauerngärten betrachten kann, ist der soziale: Wie im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck zu sehen ist, zogen die ärmeren Bauern hauptsächlich Kraut und Rüben - nahrhaft und ertragreich auch im rauen Klima. Die Reichen hingegen konnten es sich leisten, Blumen und Kräuter anzupflanzen. Das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof ist ein gutes Beispiel dafür, wie unterschiedlich die traditionelle Kreuzform der Bauerngärten - sie wurde von den Klostergärten übernommen - aussehen kann. In einem der Gärten sind die Beete mit Buchs eingefriedet, in einem anderen mit Steinen, in der Mitte findet sich ein Kreuzrondell. Die Buchshecken übrigens sind Überbleibsel der barocken Lustgärten mit ihren streng symmetrischen Anlagen. Insgesamt fast 40 unterschiedliche Gärten werden in den sieben Freilichtmuseen gehegt und gepflegt, dabei stechen Neuhausen und Wackershofen mit jeweils neun hervor.

Viele der Gärten sind mit Schildern ausgestattet oder als echte "Schaugärten" angelegt, wie etwa im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen. Dort wachsen so seltene Getreidearten wie Emmer oder Einkorn, und nicht zu vergessen der Bauerntabak - ein Nachtschattengewächs mit doppelt so viel Nicotin wie der virginische Tabak, der sonst für die Zigaretten verwendet wird. Auch wichtige, heute fast vergessene Färbepflanzen gibt es dort, den Krapp, zum Beispiel, oder den Waid, die rot und blau färben.

In den Museen geht es aber nicht nur um den Anbau der Pflanzen. Es geht auch um das Ernten. Nirgendwo ist das so lückenlos nachzuvollziehen wie im Odenwälder Freilandmuseum Gottersdorf. Es steht ganz im Zeichen des Grünkerns: Es gibt Dinkelfelder, Grünkerndarren und im Herbst ein großes Grünkernfest. In den Freilichtmuseen " Die Sieben im Süden" stehen in diesem Jahr eine ganze Reihe von Veranstaltungen rund um den Garten im Mittelpunkt des Jahresprogramms. So zum Beispiel im Bauernhaus-Museum Wolfegg. Dort wird heuer eine Sonderausstellung zum Thema "Künstlicher Regen - ein Streifzug durch die Welt der Gießkanne" gezeigt, in Beuren gibt es unter dem Motto "Hassen oder Lieben" einen Tag, der ganz dem Gartenzwerg gewidmet ist. Die sieben baden-württembergischen Museen kümmern sich in ihren Gärten auch um Heilkräuter - der größte Heilkräutergarten ist in Gutach angelegt -, und um Obstbäume. Im Kreisfreilichtmuseum Kürnbach etwa steht eine riesige Streuobstwiese mit 150 unterschiedlichen heimischen Obstbäumen - ein unschätzbarer Fundus an genetischem Material und geschmacklicher Vielfalt.

Die aktuelle Veranstaltungsbroschüre der baden-württembergischen Freilichtmuseen erhalten Sie beim Info-Service der Arbeitsgemeinschaft "Die Sieben im Süden", Tel: 07831/935610 oder unter info@landmuseen.de.

INFO:
Ausgewählte Veranstaltungen in den Museumsgärten:

  • Odenwälder Freilandmuseum Gottersdorf:
    Sonntag, 7. August, Führung durch die Bauerngärten.
  • Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen:
    Sonntag, 31. Juli, Erntetag im Museum.
  • Freilichtmuseum Beuren:
    Sonntag, 5. Juni, "Hassen oder Lieben" - 133 Jahre Gartenzwerg.
  • Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof Gutach:
    Sonntag, 10. Juli, Sonderführung "Heilende Kräuter".
  • Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck:
    Sonntag, 24. Juli, "Kräuter aus dem Bauerngarten" - Von der Kraft der heilenden Kräuter.
  • Oberschwäbisches Museumsdorf Kreisfreilichtmuseum Kürnbach:
    Sonntag, 9. Oktober, Eröffnung der großen Obstsortenausstellung.
  • Bauernhaus-Museum Wolfegg:
    Sonntag, 23. Oktober, Apfel- und Kartoffeltag.

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